Keine Entgeltfortzahlung bei grober Fahrlässigkeit des Arbeitnehmers

Fahrradunfall - Entgeltfortzahlung, oder nicht?

Mit dem Fahrrad auf dem Heimweg von der Arbeit gestürzt – Entgeltfortzahlung oder nicht?

Der Anspruch eines Arbeitnehmers auf Entgeltfortzahlung nach § 2 Abs. 1 EFZG setzt voraus, dass der Arbeitnehmer nach Antritt des Dienstes durch Krankheit (Unglücksfall) an der Leistung seiner Arbeit verhindert ist, ohne dass er die Verhinderung vorsätzlich oder durch grobe Fahrlässigkeit herbeigeführt hat.

Definition

Grobe Fahrlässigkeit bedeutet, dass die erforderliche Sorgfalt so außer Acht gelassen wird (besonders schwerer Sorgfaltsverstoß), dass ein Schaden wahrscheinlich ist. Dabei ist der Verstoß gegen das normale Handeln auffallend und der Vorwurf gerechtfertigt.

Beispiele

Grobe Fahrlässigkeit würde zum Beispiel dann vorliegen, wenn der Arbeitnehmer alkoholisiert mit dem Fahrrad von der Arbeit heimfährt und dabei mit entsprechenden Folgen stürzt.

Nicht grob fahrlässig ist es hingegen, wenn jemand in einem zu engen Winkel mit dem Fahrrad in die Fußgängerzone einbiegt und dabei stürzt. In diesem Fall ist lediglich von gewöhnlicher Fahrlässigkeit auszugehen.

(Quelle: OGH 9 ObA 26/19t vom 28. März 2019, (RIS-Justiz RS0030272; RS0031127,  RS0030359; RS0030644)

Abgabenhinterziehung: Wer mitmacht oder mithilft, kann bestraft werden!

Abgabenhinterziehung? Lieber doch die Steuern bezahlen.

Ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichts (BFG) zeigt: Wer einen Täter dabei unterstützt, dazu bestimmt oder daran mitwirkt, eine Abgabenhinterziehung zu begehen, wird selbst zum Täter und kann auch entsprechend bestraft werden.

Dies betrifft nicht nur Unternehmer, Geschäftsführer, Gesellschafter, Familienmitglieder oder Berater, sondern etwa auch Mitarbeiter, die sich „einspannen“ lassen – wie das Bundesfinanzgericht (BFG) im folgenden Fall festgestellt hat:

Beurteilt wurde ein Einzelhandelsunternehmen, in dem von der Dienstgeberin und ihrer einzigen Angestellten Leistungen ohne Rechnungen erbracht und zwei Kassabücher – ein „offizielles“ und ein „inoffizielles“ – geführt wurden. Da auch die Angestellte Schwarzverkäufe tätigte und die offiziellen Umsätze und Schwarzumsätze in zwei verschiedenen Kassablöcken getrennt erfasste, erleichterte sie der Dienstgeberin die Bewirkung einer Abgabenhinterziehung und wurde dadurch zu einer sogenannten Beitragstäterin.

Wer ist ein Beitragstäter?

Beitragstäter ist, wer die Ausführung einer Straftat durch den unmittelbaren Täter (hier die Dienstgeberin) auf irgendeine Art und Weise ermöglicht, erleichtert, absichert oder sonst wie fördert. Ein Tatbeitrag kann somit sehr weit gehen, und zwar durch jede bewusste Handlung, die die Tatausführung in irgendeiner Weise physisch (durch tatsächliche Hilfe z.B. durch Übermittlung von bekanntermaßen falschen Steuererklärungen bzw. durch die Zusage, den Täter nicht anzuzeigen) oder psychisch / intellektuell (z.B. durch Erteilen von rechtswidrigen Ratschlägen) unterstützt. Bei einer bloßen Duldung oder Mitwisserschaft einer Straftat liegt hingegen kein Tatbeitrag vor.

Jeden Täter, egal ob unmittelbarer Täter oder Beitragstäter, trifft dieselbe Strafdrohung; jeder verantwortet das eigene Unrecht bzw. die eigene Schuld und wird auch dementsprechend bestraft.

Strafbefreiende Selbstanzeige

Unter bestimmten Umständen besteht jedoch die Möglichkeit, eine Strafe noch abzuwenden. So konnte im konkreten Fall die Angestellte eine Verurteilung dadurch verhindern, dass sie die geplante Abgabenhinterziehung, noch bevor die falschen Steuererklärungen durch die Dienstgeberin eingereicht wurden, beim Finanzamt anzeigte. Daran zeigt sich jedoch auch, dass für den unmittelbaren Täter jede Mitwisserschaft bzw. jeder Beitragstäter eine zusätzliche Gefahrenquelle darstellt, durch welche die Straftat aufgedeckt werden kann. Umso mehr, als es dann in der Regel für eine strafbefreiende Selbstanzeige zu spät ist.

Es macht daher Sinn, bei Bedarf einer „Sanierung der Vergangenheit“ zeitgerecht an eine korrekt erstattete Selbstanzeige zu denken. Der Vorteil einer Selbstanzeige liegt insbesondere darin, dass mehrere Täter (unabhängig davon, ob unmittelbare oder Beitragstäterschaft vorliegt) von deren strafbefreienden Wirkung profitieren können, sofern jeder (Beitrags-)Täter auch ausdrücklich von der Selbstanzeige umfasst wurde.

Da eine Selbstanzeige besondere formelle Voraussetzungen erfüllen muss und für deren Erstattung viel Erfahrung nötig ist, sollten Sie dafür unbedingt eine umfassende Beratung in Anspruch nehmen!

Konteneinschau durch die Finanz

Bei der Öffnung eines Bankkontos werden im Gegensatz zur Einsicht in das Kontenregister alle Kontobewegungen sowie der Kontostand ersichtlich. Dafür ist eine gerichtliche Bewilligung durch das Bundesfinanzgericht notwendig!

Die Konteneinschau und die Einsicht in das Kontenregister wurden als Mittel zur Betrugsbekämpfung eingeführt. Das Kontenregister ist eine Datenbank, die Informationen darüber enthält, wer welche Konten bei welcher Bank hat. Die Konteneinschau dagegen ist die Öffnung eines Bankkontos.

Konteneinschau- wann erlaubt?

Die Abgabenbehörde ist berechtigt, in einem Ermittlungsverfahren eine Konteneinschau bei einem Kreditinstitut zu verlangen, wenn

  • begründete Zweifel an der Richtigkeit der Angaben des Abgabepflichtigen bestehen,
  • zu erwarten ist, dass die Auskunft geeignet ist, die Zweifel aufzuklären und
  • zu erwarten ist, dass der mit der Auskunftserteilung verbundene Eingriff in die schutzwürdigen Geheimhaltungsinteressen des Kunden des Kreditinstituts nicht außer Verhältnis zu dem Zweck der Ermittlungsmaßnahmen steht.

Bevor das Bundesfinanzgericht (BFG) einen Beschluss zur Konteneinschau fasst, ist der Abgabepflichtige anzuhören und seine Stellungnahme einzuholen.

BFG-Entscheidungen

In diversen Entscheidungen hat das BFG eine Konteneinschau als zulässig erachtet,

  • wenn Angaben eines Steuerpflichtigen den Erfahrungen des täglichen Lebens deutlich widersprechen und zudem noch ungeklärte Zahlungsflüsse vorliegen. Weiters sind keine anderen zweckmäßigen Ermittlungsmaßnahmen möglich, um die Angaben des Steuerpflichtigen zu kontrollieren.
  • wenn beträchtliche Mieteinnahmen nicht in der Steuererklärung erklärt worden sein könnten und das Bankkonto diesbezüglich konkrete Aufschlüsse bieten könnte.

Das BFG erachtete eine Konteneinschau dagegen als nicht zulässig,

  • wenn die Abgabenbehörde für die Überprüfung von Umsätzen Bankunterlagen wünscht, jedoch keine Zweifel an der Richtigkeit der Beträge vorbringt,
  • wenn aus den vorgelegten Unterlagen nicht hervor geht, für welche konkreten Konten und für welche Zeiträume die Konteneinschau beantragt wird.

Aus den auszugsweise angeführten Entscheidungen des BFG ist erkennbar, dass die Ersuchen einer Konteneinschau einer ausführlichen Prüfung unterzogen werden. Es müssen sowohl die formellen Voraussetzungen vorliegen als auch die Zweifel an der Richtigkeit der Angaben des Abgabepflichtigen hinreichend begründet sein.

Erkrankungen unterbrechen den Zeitausgleich nicht

Was passiert, wenn Mitarbeiter krank werden oder einen Unfall haben, während sie Überstunden „abfeiern“? Unterbrechen Krankheiten und unfallbedingte Auszeiten die Phasen des Zeitausgleichs – und gilt dieser als „nicht konsumiert“?

Mit dieser Frage beschäftigte sich der OGH infolge einer Klage durch einen Betriebsrat.

Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass eine krankheitsbedingte Dienstverhinderung den Zeitausgleich nicht unterbricht und begründet dies wie folgt:

Nach der Rechtsprechung des OGH kann eine Arbeitsverhinderung durch Krankheit oder Unfall nur in Zeiten bestehen, in denen der Arbeitnehmer zur Arbeitsleistung verpflichtet ist. Nicht die Erkrankung des Arbeitnehmers im Zeitausgleichszeitraum bewirkt den Entfall der Arbeitsleistung, sondern die mangelnde Verpflichtung zur Arbeitsleistung. Erkrankungen während des Verbrauchs von Zeitausgleich haben daher keine Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis.

(vgl. OGH 27.02.2018, 9 Ob A 10/18p)

Beitragsbild: © Adobe Stock Subbotina Anna

Ferialjobs – mögliche Konsequenzen bei Steuer, Sozialversicherung und Familienbeihilfe

Ferialjob / Studentenjob: Steuern, Sozialversicherung und Familienbeihilfe

Vorsicht vor finanziellen Kopfschmerzen nach dem Ferialjob – mögliche Konsequenzen bei Steuer, Sozialversicherung und Familienbeihilfe

Gerade während der Sommermonate haben Ferialjobs Hochsaison. Oftmals ist es der finanzielle Anreiz, im Sommer arbeiten zu gehen; genauso gelten das Sammeln von Praxiserfahrung oder das Hineinschnuppern in ein aufregendes Berufsfeld als ausschlaggebende Gründe. Damit (im Nachhinein) keine unangenehmen Konsequenzen eintreten, sollten auch die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Aspekte sowie etwaige Auswirkungen auf die Familienbeihilfe berücksichtigt werden. Die nachfolgenden Ausführungen gelten selbstverständlich nicht nur für „Ferialjobs“ sondern auch für laufende Jobs neben dem Studium.

Steuerliche Konsequenzen

Die ertragsteuerliche Behandlung bei Ferialjobs hängt grundsätzlich davon ab, ob man bei dem Arbeitgeber angestellt ist oder in Form eines Werkvertrags bzw. freien Dienstvertrags tätig wird. Dauert das Angestelltenverhältnis z.B. nur einen Monat (aber jedenfalls kürzer als ein volles Jahr) und werden aufgrund einer entsprechend hohen Entlohnung Sozialversicherung und Lohnsteuer einbehalten, so ist es ratsam, in dem darauf folgenden Kalenderjahr eine Arbeitnehmerveranlagung durchzuführen. Der Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung kann sogar bis zu 5 Jahre zurück gestellt werden und führt regelmäßig zu einer Steuergutschrift, da die Bezüge auf das ganze Jahr verteilt werden und eine Neudurchrechnung der Lohnsteuer vorgenommen wird. Gegebenenfalls kann es auch zur antragslosen Arbeitnehmerveranlagung kommen.

Erfolgt die Beschäftigung im Werkvertrag bzw. auf Basis eines freien Dienstvertrags, so liegen Einkünfte aus selbständiger Arbeit vor und es wird keine Lohnsteuer einbehalten. Ab einem Jahreseinkommen von 11.000 € bzw. von 12.000 € wenn auch lohnsteuerpflichtige Einkünfte darin enthalten sind, muss eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden. Umsatzsteuerpflicht ist i.Z.m. Ferialjobs auf Werkvertragsbasis bzw. als freier Dienstnehmer theoretisch denkbar, aber jedenfalls erst dann, wenn die Nettoeinnahmen 30.000 € übersteigen, da bis dahin die unechte Umsatzsteuerbefreiung als Kleinunternehmer gilt. Bis zu 30.000 € Nettoumsätzen muss auch keine Umsatzsteuererklärung abgegeben werden.

Familienbeihilfe

Der Verdienst aus einem Ferialjob kann, insbesondere wenn er mit anderen Einkünften zusammenfällt, dazu führen, dass die Zuverdienstgrenze für die Familienbeihilfe überschritten wird. Ist dies der Fall, so muss der die Grenze überschreitende Betrag zurückgezahlt werden. An die Familienbeihilfe ist auch das Schicksal des Kinderabsetzbetrags geknüpft. Die (zumeist für die Eltern) unliebsame Rückzahlungsverpflichtung tritt ein, wenn auf das Kalenderjahr bezogen ein steuerliches Einkommen von mehr als 10.000 € erzielt wird, wobei gewisse Besonderheiten bei der Ermittlung dieser Grenze zu berücksichtigen sind. Wichtigste Ausnahme ist das Alter, da die Zuverdienstgrenze für Jugendliche vor Vollendung des 19. Lebensjahres keine Bedeutung hat. Ab Beginn des Kalenderjahres, das auf den 19. Geburtstag folgt, muss allerdings unterschieden werden, ob die Einnahmen (z.B. aus dem Ferialjob) in den Zeitraum fallen, in dem Familienbeihilfe bezogen wurde oder nicht. Erfolgt etwa kurzfristig kein Bezug von Familienbeihilfe, so sind Einnahmen während dieses Zeitraums nicht maßgeblich für die Berechnung der Zuverdienstgrenze. Keine Familienbeihilfe wird z.B. bezogen, wenn die vorgesehene Studienzeit in einem Studienabschnitt überschritten wurde. Ebenso wenig zu relevanten Einnahmen zählen z.B. Sozialhilfe als einkommensteuerfreier Bezug, Entschädigungen für ein anerkanntes Lehrverhältnis oder Waisenpensionen. Das für die Zuverdienstgrenze relevante Einkommen ergibt sich schließlich, nachdem die mit den Einnahmen zusammenhängenden Ausgaben abgezogen wurden. Wichtig ist zu beachten, dass für die Familienbeihilfe nicht nur aktive Einkünfte (bei dem Ferialjob sind das im Regelfall Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit) sondern alle der Einkommensteuer unterliegenden Einkünfte maßgebend sind – endbesteuerte Einkünfte (z.B. Zinsen oder Dividenden) bleiben steuersystematisch korrekt jedoch außer Ansatz.

Neben dem Beobachten der Einkünfte des laufenden Jahres, um das Überschreiten der Zuverdienstgrenze (z.B. durch einen Ferialjob) antizipieren zu können, ist wichtig, dass bei Überschreiten der Zuverdienstgrenze die Familienbeihilfe im darauffolgenden Jahr neu beantragt werden muss. Voraussetzung ist freilich, dass das steuerliche Einkommen im neuen Jahr 10.000 € unterschreitet. Die Voraussetzungen für den Bezug von Familienbeihilfe bzw. für das Überschreiten der Zuverdienstgrenze ändern sich auch dann nicht, wenn die Auszahlung der Familienbeihilfe direkt an das Kind erfolgt. Dies kann bei Volljährigkeit mit Zustimmung des anspruchsberechtigten Elternteils beim Finanzamt beantragt werden und führt dann auch zur Überweisung des Kinderabsetzbetrags auf das angegebene Konto. Rückforderungsansprüche betreffend die Familienbeihilfe richten sich trotzdem weiterhin an die Eltern.

Konsequenzen in der Sozialversicherung

Die meisten Ferialpraktikanten – wenn sie angestellt sind und somit nicht auf Basis eines Werkvertrags bzw. freien Dienstvertrags arbeiten – werden sozialversicherungsrechtlich wie normale Arbeitnehmer behandelt. Beträgt das Bruttogehalt mehr als 446,81 € monatlich, so treten Pflichtversicherung und Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen ein.

Schließlich sollte aus Arbeitgebersicht, insbesondere seit Inkrafttretens des Lohn- und Sozialdumpingbekämpfungsgesetzes, darauf geachtet werden, dass die Ferialpraktikanten entsprechend entlohnt werden, da es ansonsten zu empfindlichen Verwaltungsstrafen kommen kann. Es ist sicherzustellen, dass weder der kollektivvertraglich zu leistende Grundlohn unterschritten wird noch dass es bei der Bezahlung von Praktikanten zur Nichtgewährung von arbeitsrechtlichem Entgelt kommt, welches laut Gesetz, Verordnung oder Kollektivvertrag gebührt (z.B. Überstunden oder Zuschläge laut Gesetz oder Kollektivvertrag).

 

Quelle: Klienten-Info, Klier, Krenn & Partner KG

Photovoltaik – mit der Kraft der Sonne

Photovoltaik Anlage Beitragsbild

Wir sparen CO2 und pflanzen Bäume – mit der Kraft der Sonne!

Klimawandel, globale Erderwärmung, zunehmende Urbanisierung mit einhergehend wachsender Verkehrsdichte, steigende CO2-Emmissionen, …

Die OECD skizziert mehr denn je ein düsteres Zukunftsbild für unser Ökosystem.

Als Unternehmen wollen wir unsere ökologische Verantwortung wahrnehmen und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Daher haben wir uns entschlossen am Dach unseres Gebäudes eine Photovoltaikanlage mit 47,815 KWp Nennleistung und einer Gesamtfläche von 224,38 qm zu erreichten. Gekoppelt mit 2 Solarbatterie-Modulen werden wir in Zukunft rund ein Drittel unseres Stromverbrauchs völlig autark mit Hilfe der Sonne produzieren und somit Tonnen von CO2-Emmissionen einsparen – für unsere Umwelt!

Verantwortungsvoll in eine gemeinsame Zukunft!

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Dieses Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kofinanziert.

Bundesfinanzgericht zur Abzugsfähigkeit von Geschäftsessen

Abzugsfähigkeit von Geschäftsessen

Immer wieder im Blickpunkt der Finanz

In einem 2018 veröffentlichten Urteil des Bundesfinanzgericht hatte ein deutscher Staatsbürger versucht, sich österreichische Vorsteuern für Geschäftsessen über den Rückerstattungsweg vom Finanzamt zurückzuholen. Auch für Nicht-Österreicher sind die gleichen österreichischen Rechtsvorschriften zur Berücksichtigung von Repräsentationsspesen maßgeblich, wobei hier unterschiedliche Bestimmungen für Einkommen- und Umsatzsteuer gelten.

Einkommensteuer

In der Einkommensteuer werden hinsichtlich der Abzugsfähigkeit von Bewirtungsspesen drei Fallgruppen unterschieden:

  • Bewirtungsspesen sind zur Gänze nicht abzugsfähig: Nach der Rechtsprechung sind unter nicht abzugsfähigen „Repräsentationsaufwendungen“ alle Aufwendungen zu verstehen, die zwar durch den Beruf des Steuerpflichtigen bedingt sind oder auch mit der Erzielung von steuerpflichtigen Einkünften anfallen, aber auch sein gesellschaftliches Ansehen fördern, es ihm also ermöglichen, zu „repräsentieren“. Darunter fallen auch Aufwendungen, die ganz allgemein dazu dienen, geschäftliche Kontakte aufzunehmen und zu pflegen, um als potentieller Auftraggeber oder Auftragnehmer in Betracht gezogen zu werden. Unter diese Fallgruppe fallen beispielsweise Bewirtung im eigenen Haushalt oder Bewirtung i.Z.m. Vergnügungsveranstaltungen wie z.B. Casino, Ball, Konzert, Theater etc.
  • Bewirtungsspesen sind zur Hälfte abzugsfähig: Für die Bewirtungskosten muss hier der Unternehmer nachweisen, dass die Bewirtung der Werbung dient und die betriebliche oder berufliche Veranlassung weitaus überwiegt. Die repräsentative Mitveranlassung darf hier nur ein geringes Ausmaß erreichen. Unter diese Gruppe fallen z.B. Bewirtung in Zusammenhang mit Bilanzpressekonferenzen, Klienteninformationen, Projektvorstellungen oder konkret angestrebte Geschäftsabschlüsse.
    Dies ist im Einzelfall anhand von Teilnehmeraufzeichnungen und durch Vorlage von Geschäftsaufträgen nachzuweisen.
  • Bewirtungsspesen sind zur Gänze abzugsfähig: Zur Gänze abzugsfähig sind Bewirtungskosten, die unmittelbar Bestandteil der Leistung sind oder in unmittelbarem Zusammenhang mit der Leistung stehen (z.B. Verpflegung anlässlich einer Schulung), Bewirtungen mit Entgeltcharakter oder ohne Repräsentationskomponente (z.B. Produkt- oder Warenverkostungen oder Bewirtung bei Betriebsbesichtigungen etc.).

Umsatzsteuer

In der Umsatzsteuer gibt es von der Einkommensteuer abweichende Regelungen. Sofern jedoch Bewirtungsspesen in der ESt zur Gänze abzugsfähig sind, ist in der Umsatzsteuer ebenfalls der volle Vorsteuerabzug möglich. Die „ertragsteuerliche Hälfteregelung“ ist jedoch in der Umsatzsteuer nicht zu beachten. Umsatzsteuerlich steht demnach für die Geschäftsfreundebewirtung bei Vorliegen der Voraussetzungen der volle Vorsteuerabzug zu, auch wenn ertragsteuerlich die Abzugsfähigkeit nur zu 50 % gegeben ist. Bei in der Einkommensteuer zur Gänze nicht abzugsfähigen Repräsentationsaufwendungen steht korrespondierend auch kein Vorsteuerabzug zu.

Zum Anlassfall

Im vorliegenden Sachverhalt vertrat das Finanzamt die Meinung, dass aus den angefallenen Essenskosten keine konkreten Geschäftsabschlüsse hervorgegangen seien und versagte daher den Vorsteuerabzug. Das Bundesfinanzgericht ging aufgrund der vorgelegten ergänzenden Unterlagen davon aus, dass die Kosten für die Geschäftsessen zur Gänze für das Unternehmen der Beschwerdeführerin angefallen sind, es sich also um betrieblich veranlasste Aufwendungen handelt, für die der Vorsteuerabzug zur Gänze zusteht. Fehlende Teilnehmerlisten zu bestimmten Geschäftsessen änderten aufgrund der unwesentlichen Beträge nichts an der positiven Entscheidung für die Steuerpflichtige.

(vgl. BFG GZ RV/2100827/2016 vom 6.2.2018)

Eckpunkte der Steuerreform 2019

Steuerreform 2019 Eckpunkte

Ministerrat präsentiert Eckpunkte der Steuerreform

Mit Ministerratsvortrag vom 1. Mai 2019 zur „Entlastung Österreich“ hat die Regierung die Eckpunkte der geplanten Steuerreform präsentiert. Im Wesentlichen sind nachfolgende Maßnahmen geplant. Detaillierte Informationen werden erst mit einem entsprechenden Gesetzesentwurf vorliegen. Dieser wird demnächst zur Begutachtung erwartet.

Eckpunkte des Steuerreformpaketes:

EStG:

  • Senken der Krankenversicherungsbeiträge für niedrige Einkommen ab 2020
  • Einführen einer Kleinunternehmerpauschalierung im EStG (60% oder 35% Pauschalbetrag vom Umsatz)
  • Stufenweise Erhöhen der Grenze für Geringwertige Wirtschaftsgüter:
    • Ab 2020: Erhöhen der GWG-Grenze von EUR 400 auf EUR 800
    • Ab 2021: Erhöhen der GWG-Grenze auf EUR 1.000
  • Senken des Einkommensteuertarifs in zwei Etappen:
    • Ab 2021: Senken des Eingangssteuersatz von 25% auf 20%
    • Ab 2022: Senken der Steuerstufen von 35% auf 30% und von 42% auf 40%
  • Spitzensteuersatz von 55% bleibt ab 2020 unbefristet
  • Erhöhen des Werbekostenpauschales von EUR 132 auf EUR 300 ab 2022
  • Steuerliche Begünstigung von Mitarbeitererfolgsbeteiligung
  • Strukturelle Vereinfachungen durch Neukodifikation des EStG (EStG 2020) und Vereinfachung der Lohnverrechnung und der Gewinnermittlung
  • Schaffen einer einheitlichen Bemessungsgrundlage für Lohnnebenkosten ab 2022
  • Zusammenlegen der Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastung zu „Abzugsfähigen Privatausgaben“

UStG:

  • Anheben der Kleinunternehmergrenze von EUR 30.000 auf EUR 35.000 Jahresumsatz
  • Ermäßigter USt-Satz von 10% für elektronische Bücher und Zeitungen ab 2020

KStG:

  • Senken des Körperschaftsteuertarifs in zwei Etappen
    • Ab 2022: Senken des KöSt-Satzes von 25% auf 23%
    • Ab 2023: Senken des KöSt-Satzes auf 21%
  • Ausweiten des Gewinnfreibetrages (Grundfreibetrag bis EUR 100.000) ab 2022

BAO /Sonstiges:

  • Einführen einer Betriebsprüfung auf Antrag (bei Betriebsübertragung oder –aufgabe)
  • Bündel an Detailmaßnahmen zur Verfahrensbeschleunigung
  • Ausweiten der Forschungsprämie (Ansatz des fiktiven Unternehmerlohns)
  • Bündel an abgabenrechtlichen Detailmaßnahmen im Umweltbereich

Den Ministerratsvortrag vom 1. Mai 2019 können Sie HIER abrufen.

Die BMF-Informationen zum „Entlastungsprogramm bis 2022“ können Sie HIER abrufen.

Quelle: Newsletter der KSW Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer vom 03.05.2019, Betreff: KSW News FS Steuerrecht: Ministerrat präsentiert Eckpunkte der Steuerreform

Strafverteidigerkosten bei beruflicher Veranlassung abzugsfähig

Sind Strafverteidgerkosten abzugsfähig?

Strafverteidigungskosten sind als Betriebsausgabe abzugsfähig, wenn der strafrechtliche Vorwurf ausschließlich betrieblich veranlasst ist.

Bisher versagte der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) bei natürlichen Personen die Abzugsfähigkeit solcher Verfahrenskosten. Ausgenommen davon waren nur Fälle, bei denen die Tat ausschließlich aus der beruflichen Tätigkeit heraus erklärbar war und in welchen der Beschuldigte freigesprochen wurde.

Verschulden nicht mehr entscheidend

In zwei aktuellen Entscheidungen ist der VwGH von dieser Rechtsmeinung abgegangen und entschied, dass die Strafverteidigungskosten dann als Betriebsausgaben abzugsfähig sind, wenn der strafrechtliche Vorwurf ausschließlich und unmittelbar aus der beruflichen oder betrieblichen Sphäre des Steuerpflichtigen erklärbar und damit betrieblich veranlasst ist.

Es kommt nicht mehr darauf an, ob ein Freispruch gefällt wird oder nicht. Diese Grundsätze gelten sowohl für die Einkommensteuer (betreffend natürliche Personen), als auch für die Körperschaftsteuer (betreffend Kapitalgesellschaften, Vereine u.ä.) und generell für die Abzugsfähigkeit der Vorsteuern aus Rechnungen von Strafverteidigern.

Im Rahmen einer Betriebsprüfung ist nachzuweisen, dass die Aufwendungen nicht dem Privatbereich zuzurechnen sind.

Wir beraten Sie gerne dabei, welche vorsorglichen Dokumentationen und Aufzeichnungen dafür erforderlich sind.

Durchblick am Arbeitsplatz – die Bildschirmbrille

Bildschirmbrille -Sehtest

Wenn Zahlen und Buchstaben verschwimmen und Kopfschmerzen ein Dauerbegleiter sind!

Bildschirmarbeit ist aus der täglichen Büroarbeit nicht mehr weg zu denken. Die Belastung für die Augen ist enorm – Sehbeschwerden und Dauerfolgen sind beinahe unausweichlich. Daher bedarf es oftmals, abgesehen von einer grundlegenden ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung, einer Unterstützung durch z.B. – die Bildschirmbrille.

Die Anschaffung einer Bildschirmbrille ist mit nicht zu geringen Kosten verbunden, doch wer muss dafür aufkommen?

Was sagt das Gesetz?

„Besondere Maßnahmen bei Bildschirmarbeit“ sind Teil des Arbeitnehmerschutzgesetzes und beinhalten die Bildschirmarbeitsverordnung (BS-V) welche besagt, dass Arbeitnehmer Anspruch auf eine Augen- und Sehvermögen-Untersuchung haben, wenn diese bei einem nicht unwesentlichen Teil ihrer normalen Arbeit ein Bildschirmgerät verwenden.

„Nicht unwesentlicher Teil der normalen Arbeit“ – was bedeutet das?

Ein „nicht unwesentlicher Teil der normalen Arbeit“ liegt dann vor, wenn ein Arbeitnehmer

  • durchschnittlich ununterbrochen mehr als 2 Stunden, oder
  • durchschnittlich mehr als 3 Stunden

der Tagesarbeitszeit den Bildschirm verwendet um seiner Tätigkeit nachzugehen.

Wann hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf eine augenmedizinische Untersuchung?

Trifft eine der beiden oben angeführten Voraussetzungen zu, hat der Arbeitgeber die Kosten für eine Untersuchung der Sehschärfe und des Sehvermögens zu übernehmen.

Diese Überprüfung ist vor Aufnahme der Bildschirmarbeit, in regelmäßigen Abständen von 3 Jahren sowie beim Auftreten von Beschwerden, welche als Ursache die Bildschirmtätigkeit haben könnten, durchzuführen.

Augenmedizinische Untersuchung

Eine Erstuntersuchung bzw. Sehschärfenüberprüfung kann grundsätzlich von einem

  • Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie,
  • einem Facharzt für Arbeits- und Betriebsmedizin
  • von Arbeitsmedizinern, oder
  • von Optikern

durchgeführt werden.

Ergibt die Erstuntersuchung durch einen Optiker bzw. Arbeits- oder Betriebsmediziner, dass eine Bildschirmbrille notwendig ist, muss zusätzlich eine augenärztliche Untersuchung vorgenommen werden.

Kommt die Überprüfung durch den Augenarzt zum selben Ergebnis, muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer spezielle Sehhilfen zu Verfügung stellen, und die Kosten für diese übernehmen. Ohne augenärztliche Untersuchung bzw. Feststellung der Notwendigkeit, sind die notwendigen Kosten des Sehbehelfs für den Arbeitgeber steuerlich nicht abzugsfähig.

Was versteht man eigentlich unter „Bildschirmbrille“

Folgende Anforderungen müssen laut BS-V erfüllt werden, damit eine Sehhilfe als Bildschirmbrille zu betrachten ist.

  1. Die Brille muss speziell auf die Arbeitsdistanz zum Bildschirm, auf die physiologischen Gegebenheiten sowie die pathologischen Befunde des Arbeitnehmers abgestimmt sein.
  2. Die Gläser müssen entspiegelt, dürfen jedoch nicht getönt sein.
  3. Eine Bildschirmbrille kann als normale Sehhilfe nicht verwendet werden.

Wird die Brille vom Arbeitnehmer auch beispielsweise zum privaten Lesevergnügen verwendet, liegt keine „Bildschirmbrille“ vor. Die Kosten für diese sogenannte „Mischbrille“ müssen daher nicht vom Arbeitgeber übernommen werden.

Welche Kosten muss der Arbeitgeber übernehmen?

Wird die Notwendigkeit eines Sehbehelfs aufgrund von Bildschirmarbeit vom Augenarzt bestätigt und werden die entstehenden Kosten für eine Sehhilfe nicht von der GKK getragen, müssen diese vom Arbeitgeber übernommen werden.

Der Arbeitnehmer hat somit einen Anspruch auf Kostenersatz für eine Bildschirmbrille gegenüber dem Arbeitgeber – dies aber nur in der notwendigen Ausstattung für den Augenschutz bei Bildschirmarbeit. Dazu können z.B. aber auch Kosten für entspiegelte Gläser oder Spezialgläser, die aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes erforderlich sind, gehören.

Designer-Brille gefällig?

Durch eine bessere Ausstattung, höhere Qualität oder besondere Design-Wünsche entstehende Mehrkosten können, müssen aber nicht, vom Dienstgeber übernommen werden. Übernimmt der Arbeitgeber die über die notwendige Ausstattung hinausgehenden Kosten, kann dies abgaberechtliche Folgen haben. Da die Kosten für Brillenfassungen in der Regel eher günstiger werden, kommt dies zumeist dann zum Tragen, wenn z.B. eine sehr teure Designer-Fassung ausgesucht wird und die Kosten vom Arbeitgeber übernommen werden. Gerne können Sie uns für nähere Informationen kontaktieren!

Tipp für den Arbeitgeber:

Um eine Sachbezugs-Diskussion bei einer GPLA zu minimieren, empfehlen wir die Nachweise über die Höhe des „Muss-Kostenersatzes“ aufzubehalten. Auch sollten Sie Sorge dafür tragen, dass die Bildschirmbrille nach Arbeitsende im Unternehmen bleibt und vom Dienstnehmer nicht mit nach Hause genommen wird, denn dies schließt aus, dass es sich um eine „Mischbrille“ handelt.

 

(Quelle: LexisNexis: Bildschirmbrille – so hat auch der Arbeitgeber den richtigen Durchblick, PVP 2011, Heft 1 v. 25.01.2011)